Ich bin okay, wenn ich es richtig mache.
Du hast wahrscheinlich einen hohen Qualitätsanspruch, arbeitest gewissenhaft und bemerkst Fehler oder Unstimmigkeiten schnell. Menschen mit diesem Muster sind häufig zuverlässig, gut vorbereitet und wollen wirklich gute Arbeit leisten.
Aus Qualität kann Perfektionismus werden. Aus „gut arbeiten“ wird schnell „es darf kein Fehler passieren“. Du kontrollierst vielleicht öfter als nötig, brauchst länger für Entscheidungen oder hast Schwierigkeiten, etwas als gut genug abzuschließen. Gerade unter Druck kann der eigene Wert dann unbewusst an Leistung und Fehlerfreiheit gekoppelt werden.
Hohe Erwartungen, Schwierigkeiten beim Delegieren, Mikromanagement oder das Gefühl: Wenn ich es selbst mache, weiß ich wenigstens, dass es richtig wird.
Ich darf gute Arbeit leisten, ohne perfekt sein zu müssen. Gut genug darf wirklich gut genug sein.
Was wäre bei dieser Aufgabe konkret gut genug, und was würde passieren, wenn ich bei achtzig Prozent aufhöre?
Wähle heute eine Aufgabe, bei der „gut genug“ vollkommen ausreicht. Lege vorher drei Kriterien fest, die wirklich erfüllt sein müssen.
Sobald diese erfüllt sind, beendest oder delegierst du die Aufgabe, ohne eine weitere Verbesserungsschleife anzuhängen.
Ich bin okay, wenn ich schnell bin.
Du kannst wahrscheinlich schnell handeln, Entscheidungen treffen und viel in kurzer Zeit bewegen. Du bringst Tempo und Energie in Situationen und bist häufig sehr umsetzungsstark.
Dann bekommt plötzlich alles Dringlichkeit. Du machst mehrere Dinge gleichzeitig, springst gedanklich schon zur nächsten Aufgabe oder wirst ungeduldig, wenn andere langsamer sind. Dabei kann genau das verloren gehen, was eigentlich helfen würde: Ruhe, Fokus und bewusste Entscheidungen.
Zu schnelles Entscheiden, wenig Raum fürs Zuhören oder das Gefühl im Team, ständig hinterherlaufen zu müssen.
Ich darf mir Zeit nehmen. Nicht alles ist dringend.
Was davon ist wirklich dringend, und was fühlt sich nur dringend an?
Bevor du die nächste Aufgabe beginnst oder auf eine Anfrage reagierst, halte für drei bewusste Atemzüge inne. Atme dabei länger aus als ein und frage dich: „Was ist jetzt wirklich wichtig?“
Entscheide dich anschließend für genau einen nächsten Schritt, statt mehrere Dinge gleichzeitig anzufangen.
Ich bin okay, wenn ich mich richtig bemühe.
Du bringst wahrscheinlich viel Einsatz, Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit mit. Wenn etwas schwierig wird, gibst du nicht sofort auf. Das ist eine enorme Ressource.
Dann kann Anstrengung selbst zum Maßstab werden. Eine einfache Lösung fühlt sich plötzlich weniger wertvoll an. Statt innezuhalten und die Strategie zu verändern, investierst du noch mehr Energie. Das Problem ist dann nicht fehlende Leistung, sondern dass du möglicherweise an der falschen Stelle immer mehr davon einsetzt.
Viel Aktivität, wenig Priorisierung und die unbewusste Erwartung: Wer wirklich will, muss sich eben richtig reinhängen.
Ich darf es mir leicht machen. Erfolg muss nicht anstrengend sein, um wertvoll zu sein.
Braucht es gerade wirklich mehr Einsatz, oder einen anderen Weg?
Wähle eine Aufgabe, die sich gerade unnötig schwer oder kompliziert anfühlt. Formuliere zunächst in einem Satz, welches Ergebnis tatsächlich gebraucht wird. Frage dich dann: „Was ist der einfachste wirksame Weg zu diesem Ergebnis?“
Streiche mindestens einen Schritt, der nicht unmittelbar zum gewünschten Ergebnis beiträgt.
Ich bin okay, wenn die anderen mit mir zufrieden sind.
Du kannst dich wahrscheinlich sehr gut in andere hineinversetzen. Du bemerkst Bedürfnisse, Zwischentöne und Stimmungen schnell und bringst viel Empathie und Verbindung in Beziehungen.
Dann wird aus Empathie People Pleasing. Du sagst Ja, obwohl du Nein meinst. Du vermeidest Konflikte oder stellst deine eigenen Bedürfnisse zurück, weil du niemanden enttäuschen möchtest. Der Preis dafür ist häufig, dass du dich selbst immer weniger hörst.
Unklare Grenzen, aufgeschobenes Feedback oder Entscheidungen, die stärker danach ausgerichtet sind, niemanden zu verärgern, als danach, was tatsächlich notwendig ist.
Ich darf Nein sagen und trotzdem verbunden bleiben. Ich muss nicht von allen gemocht werden.
Was würde ich entscheiden, wenn ich keine Angst hätte, jemanden zu enttäuschen?
Wenn heute eine Bitte oder Erwartung an dich herangetragen wird, antworte nicht automatisch mit Ja. Sage stattdessen: „Ich denke kurz darüber nach und komme später auf dich zu.“
Prüfe anschließend: Passt das wirklich zu meinen Prioritäten, und was müsste ich dafür zurückstellen? Entscheide dich dann bewusst für ein Ja oder ein Nein.
Ich bin okay, wenn ich alles im Griff habe.
Du kannst wahrscheinlich auch in schwierigen Situationen ruhig bleiben, Verantwortung übernehmen und dich auf dich selbst verlassen. Andere erleben dich möglicherweise als belastbar und souverän.
Dann wird Stärke mit Aushalten verwechselt. Du funktionierst weiter, obwohl du längst Entlastung brauchst. Du bittest spät um Hilfe oder zeigst anderen nur selten, wenn dich etwas wirklich trifft. Und genau das kann auf Dauer sehr viel Kraft kosten.
Eine hohe Belastbarkeit nach außen, aber wenig Verletzlichkeit und möglicherweise eine gewisse emotionale Distanz. Dabei entsteht Vertrauen häufig genau dann, wenn Führungskräfte nicht perfekt oder unverwundbar wirken müssen.
Ich darf Unterstützung annehmen. Verletzlichkeit und Stärke schließen sich nicht aus.
Was würde Stärke gerade bedeuten, wenn ich nicht alles alleine tragen müsste?
Wähle eine Aufgabe oder Herausforderung, die du gerade allein trägst, obwohl du Unterstützung gebrauchen könntest. Bitte heute eine Person ganz konkret um Hilfe: „Ich brauche deine Unterstützung bei … Kannst du … bis … übernehmen?“
Unterstützung einzuholen bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben. Es bedeutet, Verantwortung bewusst zu führen.